Main-Echo - mit fragwürdigem Journalismus

Antworten
Klaus
Beiträge: 207
Registriert: Sa 4. Feb 2017, 19:40

Main-Echo - mit fragwürdigem Journalismus

Beitrag von Klaus » Do 25. Mai 2017, 09:19

Schon länger bin ich der Main-Echo-Redaktion nach eigenem Bekunden durch qualitativ hochwertige Leserbriefe bekannt, die ich in den vergangenen Jahren meist zu Bildungsthemen eingereicht habe und nahezu regelmäßig im Main-Echo abgedruckt wurden.

Deshalb ging ich davon aus, dass unsere Regionalzeitung, das "Main-Echo" bereit und in der Lage wäre, mein über vier Jahre hinweg verfasstes Buch Bildungsnot in angemessener Weise einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen.

Am 10. Februar wandte ich mich mit einer entsprechenden Anfrage an die Main-Echo-Redaktion.

"Bereits" am 3. März wurde mir geantwortet, dass es noch etwas dauern würde, bis eine redaktionelle Entscheidung über eine mögliche Veröffentlichung gefallen wäre. Man wolle sich meine vorgestellte Thematik zunächst näher anschauen.

Am 24. April, wandte ich mich erneut an das Main-Echo, sich meinem Anliegen zu erinnern.

Am 28. April meldet sich endlich eine Redakteurin, mit der Bereitschaft, innerhalb eines Interviews mein Buch, bzw. meine vorbereitete Bildungsnot-Initiative vorzustellen.

Am 15. Mai kam das Interview - mit mir in Gegenwart meiner Frau - zustande.
Innerhalb von 2,5 Std. versuchte ich, der durchaus sympathischen Redakteurin mein Anliegen verständlich zu machen.
Wir vereinbarten, wenn auch nur mündlich, dass ich den Inhalt des Interviews vor einer Veröffentlichung zur Ansicht erhalten würde, um gegebenenfalls inhaltliche Korrekturen vornehmen zu können und vorab örtliche Buchhandlungen über den bevorstehenden Artikel aufmerksam zu machen. Zudem sollte meinem Anliegen eine eigenständige Themenseite gewidmet werden.

Das hörte sich soweit erst mal gut an.

Um 22:00 Uhr des 23. Mai erhielt ich von der Redakteurin den Interviewentwurf.
Entsetzen auf ganzer Linie. Denn was mir die gute Frau da zusandte, machte auf mich den Eindruck, als hätte sie den Artikel nicht selber geschrieben, sondern einem/r (Voluntär/in mit ein Paar Stichpunkten beauftragt, daraus einen Story zu konstruieren. Denn ja, der Entwurf strotzte nur so an mangelnden, bzw. falsche Daten und Angaben, die mir und meinem Kernanliegen kaum mehr gerecht wurden. Auch die Länge des Artikels würde keinesfalls ausreichen, um daraus eine eigenständige Themenseite zu bilden.

Höchst verwundert, bat ich am Morgen des nächsten Tages um 6:20 Uhr um eine Erklärung, in welchem Rahmen und wann denn nun das Interview veröffentlicht werden sollte, da ich ihr in jedem Fall noch eine überarbeitete Korrektur zukommen lassen wollte.

Gleichfalls am 24. Mai um 11:15 teilte mir die Redakteurin mit, dass sie sich an ihre Vorgesetzten zu halten hätte, die sowohl die Länge des Artikels als auch dessen Erscheinungstermin bereits auf den nächsten Tag festgelegt hätten. Wenn ich Korrekturwünsche hätte, müsste ich diese bis spätestens 18:00 Uhr des gleichen Tages an sie richten.

Unglaublich, denn mit einer dermaßen "heißen Nadel" gestrickt war mir die Möglichkeit genommen, unsere regionalen Buchhändler vorab auf den Erscheinungstermin aufmerksam zu machen.

Eilends erarbeite ich unter vorwiegender Beibehaltung Ihrer Fragestellungen Antworten aus, die ich der Dame schon mittags mit der ausdrücklichen Bitte zusandte, etwaige inhaltliche Änderungswünsche unbedingt noch vorab mit mir abzusprechen.

Worauf sie mir um etwa 16:00 Uhr in einem Einzeiler mitteilte, dass sie meine Änderungswünsche selbstverständlich entsprechend anpassen würde, womit ich davon ausging, dass mein Textentwurf so auch veröffentlicht würde.

Das nun im Main-Echo abgebildete Interview spiegelt zu meinem Entsetzen leider nur einen Teil meiner eingereichten Informationen wider.
Schon in der Artikelüberschrift, der erste große Patzer von "Qualitätsjournalismus"
Denn unseren Schulabsolventen fehlt es ganz sicher nicht an Perspektiven, sondern ORIENTIERUNGSLOSIGKEIT ist eines der großen Defizite, die es ihnen außerordentlich schwer macht, ihren Platz und "Berufung" für ihr weiteres Leben zu finden!

Stattdessen wird mein Kernanliegen durch die unsachliche und unrichtige Hervorhebung, dass ich durch Missbrauch meine Identität verloren hätte und Missbrauch über längere Zeit meiner Normalität entsprochen hätte, in desaströser Weise in den Hintergrund gestellt.

Denn wer mit der Missbrauchsthematik näher befasst ist, dem dürfte bekannt sein, dass es gar nicht so selten vorkommt, dass einst Missbrauchsbetroffene später selbst zu Missbrauchstaten neigen, was mir als langjähriger Schulhausmeister nun möglicherweise gleichfalls verdächtigend unterstellt werden könnte. Womit mir mit dieser unrichtigen und unsensiblen Darstellung unnötige Erklärungsnöte aufgebürdet werden könnten, die für mein eigentliches Anliegen hier außerordentlich deplatziert erscheinen.

Der Hinweis auf die schwere Zeit, in der es mir außerordentlich schlecht ging, bezog sich auch nicht auf meine Heimaufenthalte (obwohl es da durchaus hätte stehen können), sondern auf die Zeit des Aufarbeitungsprozesses.

Eine weitere journalistische Fehlleistung stellt sich in der unglücklichen gestalteten Personendarstellung ein.
Zumindest könnte die missratene Beschreibung den Eindruck erwecken, als befände ich mich noch gegenwärtig in fragwürdiger psychiatrischer Behandlung. Richtiger hätte es heißen können:

Er wuchs die ersten acht Lebensjahre innerhalb eines enorm gewalttätigen Elternhauses auf. Bis er dem Elternhaus entnommen wurde, um die Folgeschäden innerhalb der nächsten zwei Jahre in einer Kinderpsychiatrie zu behandeln und um die anschließenden Jahre bis zur Volljährigkeit unter Heimbetreuung zu leben.
Nach der Umschulung war er über Jahre hinweg für denselben Ausbildungsbetrieb als verantwortlicher Bauleiter in ganz Deutschland unterwegs, um für die "Firma" (u.a. PC-Großhandel) Verkaufsfilialen zu er-, bzw. einzurichten. Heiratsbedingt, nahm er ab 1993 die Aufgabe als leitender Hausmeister einer großen Seniorenresidenz in Aschaffenburg wahr.
Nach dem Bau seines weitgehend von eigener Hand errichteten Hauses, nahm er der kurzen Distanz wegen die Aufgabe des Hausmeisters am Spessart-Gymnasium auf, die er seit nunmehr 16 Jahren verantwortungsvoll wahrnimmt.

So eine ähnliche Beschreibung hätte zumindest weit anspruchsvoller die Seriosität und Kontinuität unterstrichen, statt den Eindruck zu vermitteln, es hier im übertriebenen Sinne mit einem Looser zu tun zu haben, der irgendwo aus der Gosse heraus hier nun seine fragwürdige Stimme erhebt.

Den letzten Glanzpunkt setzte das Main-Echo dann aber auch noch mit dem Untertitel eines Bildes auf dem sich zwei Schulkinder balgen.
Hier heißt es wörtlich:
Gewalt zwischen Schülern: Klaus Klüber, Hausmeister im Alzenauer Spessart-Gymnasium, hat dazu ein Buch veröffentlicht.
Unsinn hoch drei. Real gehe ich in dem Buch mit keiner Silbe auf Gewalt zwischen Schulkindern ein, sondern von Gewalt, die von Erwachsenen auf Kinder und unter Erwachsenen ausgeübt wird. Das ist schon ein erheblicher Unterschied. Am besten einfach mal das Buch lesen. Lesen bildet :)

"Herzlichen Dank" liebes Main-Echo.
Selten habe ich einen Artikel gelesen, der das eigentliche Kernthema so weit verfehlt hat, wie es hier in unglaublich nachlässiger Weise geschehen ist.
Andererseits bildet das Main-Echo auch nicht den Nabel der Welt, um ihm weiter Aufmerksamkeit zu widmen, aber wer halbwegs bei gesunden Verstand ist, dürfte meinen Ärger um so einen groben Verriss sicherlich nachvollziehen können. Nicht zuletzt, da so ein Artikel kaum dazu animieren dürfte, sich mit meinem Kernanliegen näher zu beschäftigen.

Ich erlaube mir hier den Wortlaut des von mir entworfenen Interviewentwurfs in voller Länge darzustellen.
Vergleicht den einfach mal mit dem im Main-Echo und bildet euch eine eigene Meinung, welche die wohl passendere Version darstellt.

Herr Klüber, Sie sind Hausmeister am Spessart-Gymnasium und haben gerade Ihr Buch mit dem Titel „Bildungsnot“ veröffentlicht. Warum haben Sie dieses Buch verfasst?
Mein Buch ist dem Kinderschutz, bzw. Gesellschaftschutzgedanken gewidmet, da ich in meiner Kindheit und Jugend selbst in extremer Weise von häuslicher Gewalt und wohl auch Missbrauch betroffen war. Dadurch wurde ich in meiner geistigen und körperlichen Entwicklung massiv beeinträchtigt. Mit knapp 8 Jahren wurde ich aus dem destruktiven Familienumfeld herausgenommen, um die davongetragenen Schädigungen im Rahmen eines zweijährigen Kinderpsychiatrieaufenthalts zu behandeln. Anschließend wuchs ich in weiteren Heimeinrichtungen auf, in denen ich wiederum in einem Klima permanenter Angst und Unterdrückung ausgesetzt war. Nur war mir dies lange Zeit aufgrund meiner vorherigen Gewalterfahrungen nicht bewusst.

Wie ist Ihnen klar geworden, was mit Ihnen passiert war?
Nach der Heimentlassung hatte ich, auf mich allein gestellt, noch viele Jahre mit den Folgen meiner Kindheit zu kämpfen.
Erst mit 45 Jahren begann ich angesichts eines Folterberichts von Amnestie International, in dem ich mich erstmals als Gewaltopfer wiedererkannte, so langsam ein Gespür für die Gewaltdimensionen zu entwickeln, denen ich in meiner Kindheit und Jugend ausgesetzt war.

Ihnen ist klar geworden, dass Sie von der einen Gewalt in die nächste gekommen sind. Was hat das mit Ihnen gemacht?
Das war eine schwere Zeit, mir ging es außerordentlich schlecht.
Zumal ich im Rahmen meines einsetzenden Aufarbeitungsprozesses registrieren musste, dass wenigstens zwei meiner Geschwister über lange Jahre hinweg väterlichem Missbrauch ausgesetzt waren.

Ab diesem Moment wurde mir schlagartig klar, dass es in unserem Land noch immer an hochqualitativer Aufklärung zu allen Formen der Gewalt mangelt. Weiter habe ich zu ergründen versucht, wie es zu dieser und ähnlichen familiären Katastrophen kommen kann, unter denen Kinder der Gegenwart ja in ähnlicher Weise betroffen sind, wenn man bedenkt, dass in unserem Land im wöchentlichen Durchschnitt rund 2-3 Kinder durch elterliche Gewalt sterben und noch weit mehr Kinder von Gewaltexzessen betroffen sind.
Besonders interessant, war für mich die Entdeckung, dass auch unser Bildungswesen ursächlich Anteil an vielen gesellschaftlichen Missständen hat, die wir nur deshalb kaum wahrnehmen, weil sie „unserer Normalität“ entsprechen, weil wir ja nichts anderes kennen.


Ist dieser Einblick in Gewaltursachen nicht arg vereinfacht dargestellt?
Nein, als Schulhausmeister als auch Vater meiner einst schulpflichtigen Kinder erlebe ich doch hautnah mit, wie Kindern in unserem verordneten Nivellierungswahn, jede Spontanität, Kreativität und Entdeckungsfreude entzogen wird, sie aber gleichzeitig unter beständigem Druck stehen, elterliche oder schulische Erwartungen zu erfüllen. Das hat schwerwiegende Folgen, wie ich sie in meinem Buch durch viele Einzelaspekte zusammengefasst habe. Unsere Schulen erzeugen in ihrer gegenwärtigen Form unglückliche und vor allem orientierungslose Menschen, die nicht wissen wer sie sind, was sie ausmacht und wohin es sie drängt. Der damit verbundene Frust und Hasten nach Anerkennung erzeugt in indirekter Form all jene Missstände, die uns allen sehr schaden.

Wie ging es dann weiter?
Ich habe für die Einführung gewaltpräventiver, eigen- und sozialverantwortungssteigernder, wie auch elternvorbereitender Unterrichtsinhalte geworben. Weiter habe ich mir überlegt, unter welchen Bedingungen ich mir eine förderliche Entwicklung junger Menschen vorstellen würde, die später in sich ruhend wissen wer sie sind und wohin es sie drängt.
Dabei habe ich eine visionäre Schulform entwickelt, von der ich lange Zeit dachte, mit dieser Idee allein auf weiter Flur zu stehen.
Inzwischen ist mir die Villa Monte Schule in der Schweiz bekannt geworden. Dort wird bereits seit vielen Jahren überaus erfolgreich mit einem ähnlichen Konzept gearbeitet. Langzeitstudien beweisen, dass über 95% der befragten Absolventen heute ihr Leben als glücklich bezeichnen. Einen besseren Schutz für Kinder als in sich ruhende Menschen kann es nicht geben. Daher möchte ich mit meinem Buch und einer angeschlossenen Webseite unter http://www.bildungsnot.de den Anstoß zu einem Bildungsumbruch geben.


So und hier mal der Artikel, wie ihn die Redakteurin veröffentlichten wollte, mit der es das Main-Echo verstanden hat, mein Kernanliegen gründlich in den Hintergrund zu stellen.

Alzenau. »Durch Missbrauch wurde mir meine Identität geraubt, durch das
Schreiben habe ich sie wiedergefunden«. Ganz ruhig sagt Klaus Klüber das
und nimmt sein Gegenüber dabei fest in den Blick. Man ahnt, was ihn das
gekostet hat – und wie lange es gedauert haben mag, bis er einen solchen
Satz aussprechen konnte.
Denn lange wusste Klüber nicht, was ihm da in der Kindheit und Jugend
überhaupt widerfahren war. »Ich habe das für normal gehalten: die Schläge,
die Erniedrigungen, das Eingesperrtwerden, den Essensentzug«, erzählt der
heute 59-Jährige, der seit 2001 Hausmeister am Alzenauer Spessartgymnasium
ist. Nicht nur durch seine Geschichte ist ihm das Thema Gewaltprävention
ein Anliegen. Er hat sogar ein Buch darüber geschrieben. Warum das für ihn
auch viel mit dem Bildungssystem zu tun hat, das erklärt er im Gespräch
mit der Redaktion.
So ein Quatsch - reine Effekthascherei.
Denn weder habe ich durch Missbrauch meine Identität verloren, noch durch das Schreiben
Wiedergefunden.


Wie ist Ihnen klar geworden, was mit Ihnen passiert war?
Durch einen Amnesty-Bericht über Folter fiel es mir erst 2003 wie Schuppen
von den Augen, dass auch ich ein Gewaltopfer bin. Mir wurde klar, warum
ich mir mit 19 Jahren das Leben versucht hatte zu nehmen. (Falsch, es war mit 22 Jahren)
Meine Eltern hatten mich über Jahre misshandelt. Und auch später, nachdem ich in Heimen
aufwuchs, hörte die Qual nicht auf. Es war brutalste Gewalt – und zwar von
allen Seiten. Die Erzieher mussten überfordert sein, es gab damals noch
keine Konzepte für milieugeschädigte Kinder. Ich war definitiv schwer
traumatisiert. So sehr, dass ich sogar jahrelang in der Jugendpsychiatrie
war.
Auch hier wieder unzulässige Falschdarstellung. Ich wurde überwiegend von meiner Mutter
und teils älteren Geschwistern misshandelt. Im Heim gab es viel Gewalt, aber von brutalster Gewalt
zu schreiben, entspricht nicht meiner Interview-Beschreibung.


Ein Alptraum, den Sie Stück für Stück schmerzlich wiederentdeckt haben.
Ihnen ist klar geworden, dass Sie von der einen Gewalt in die nächste
gekommen sind. Was hat das mit Ihnen gemacht?

Erst einmal ging es mir sehr schlecht. Dann habe ich angefangen nach den
Ursachen zu forschen. Und die habe ich ja in meinem beruflichen Alltag
quasi vor der Nase. Durch meine Hausmeistertätigkeit bin ich täglich mit
frustrierten und gedeckelten Schülern konfrontiert. Ich sehe das jeden
Tag, wie auf Kinder permanent Druck ausgeübt wird. Wie Schulabgängern
Perspektiven fehlen. Und dass sie von klein auf durch das Bildungssystem
auf Leistung gepolt werden, die Anerkennung aber ausbleibt. Das muss
einfach irgendwann knallen – entweder entlädt sich der Frust untereinander
oder sie bekommen ihn von ihren überforderten Eltern ab. Wie ich damals.
Deswegen müssen Kinder überhaupt lernen, was Gewalt ist und wie man
gewaltdeeskalierend miteinander umgehen kann.

Wieder falsch wiedergegeben.
Von fehlenden Perspektiven war nie die Rede, wohl aber von Orientierungslosigkeit
der Schulabgänger. Das es der mangelnden Anerkennung "knallen" muss ist ebenfalls eine
freie journalistische Interpretation, die jeder Grundlage entbehrt.
Zudem hatte die häusliche Gewalt mir gegenüber sicher nichts mit schulischen
Ursachen zu tun.



Ist dieser Umkehrschluss nicht arg vereinfachend?
Nein, ich sehe das jeden Tag und bekomme das genauso mit. Unserer
Gesellschaft ist nicht bewusst, dass sie Schüler in Schemata presst, damit
sie später Leistungsträger werden, Kreativität aber nicht gefragt ist.
Straßenkehrer oder Bäcker wollen die Leute ja nicht mehr werden. Die
meisten streben nach Höherem. Was heute zählt, ist ein gut bezahlter,
sicherer Job – und nicht etwa einer, der glücklich macht.


Und als Ihnen der Zusammenhang klar geworden ist, was haben Sie dann damit
angefangen?

2008 habe ich bundesweit 1002 Direktoren von Schulen angeschrieben. Das
war ein Flop. Meinen Fragebogen, ob man etwas am Bildungssystem ändern
sollte, haben ganze fünf zurückgeschickt. Und danach habe ich zum ersten
Mal darüber nachgedacht, das alleine durchzuziehen und selbst ein Buch
darüber zu schreiben, was Anerkennungsdefizite verursachen und dass Schule
junge Menschen besser und anders auf das Leben danach vorbereiten müsste
und sie eben nicht nur mit Wissen zu überfrachten. 2010 habe ich dann
angefangen zu schreiben. Jede freie Minute habe ich recherchiert,
geschrieben. Oft nachts oder in den Abendstunden.

Auch hier wieder falsch. Es waren 1102 Schulleiter/innen die ich 2008 anschrieb.
Auch fing ich nicht aus Frust das Buch zu schreiben an, sondern erst später als mir
der Zusammenhang bewusst wurde, wie auch unser Bildungwesen an den gesellschaftlichen
Misständen beteiligt ist. Ich schrieb und Recherchierte auch nicht jede freie Minute,
sondern genau im Gegenteil mit langen Pausen dazwischen, sonst hätte ich wohl
kaum 4/5 Jahre bis zu dessen Veröffentlichung gebraucht.



Jetzt sind Sie nicht der Erste, der das fordert. Der bekannte Hirnforscher
Gerald Hüther fordert ein Umdenken in der Hinsicht schon länger. Was
unterscheidet Ihr Buch von bereits vorhandener Lektüre?

Erstens: Ich weiß, wovon ich schreibe, weil ich das alles selbst erlebt
habe und jeden Tag vor Augen habe. Zweitens: Wenn schon mein Vorschlag,
jede Kritik in Klassenzimmern zu ächten, die keinen konstruktiven
Vorschlag enthält, in meiner eigenen Schule kaum Gehör findet, weil Lehrer
und Schüler derart im Lehrplan gefangen sind, dann habe ich jedes Recht,
weiter für ein Umdenken im Bildungssystem zu kämpfen. Und zwar auf allen
Ebenen: mit meinem Buch, meiner Homepage, auf der ich die Leute dazu
aufrufe, selbst aktiv zu werden und sich auf politischer Ebene
einzubringen.

Was für ein Unsinn! Niemals habe ich einen Zusammenhang aus einer nicht
realisierten Idee und dem Recht etwas äußern zu dürfen hergestellt.
Reine journalistische Phantasie.


Und was schlagen Sie statt der heutigen Schulen vor?
Es gibt Modellschulen, die genau den Ansatz, den ich fordere, bereits
umsetzen. Villa Monte in der Schweiz oder die Schetinin-Schule in Russland
sind eher Begegnungsstätten statt Schulen. Es gibt keinen
Frontalunterricht, sondern die Schüler suchen sich freiwillig die Felder,
auf denen sie aktiv werden, mehr wissen möchten. Der eine lernt Sprachen,
der nächste baut Gemüse an. Und das Soziale steht im Vordergrund, weil es
keine Noten gibt, sondern Probleme gemeinsam gelöst werden.

Auch wieder nur zum Teil zutreffend, da die Schetininschule ein völlig anderes
Konzept praktiziert, welches ich der Journalistin gegenüber auch ausführlich genug
erklärt habe.

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast